Was Sie über Trauma wissen sollten

Was ist ein Trauma und wie entstehen Traumafolgestörungen?

Der Begriff Trauma leitet sich von dem griechischen Wort für Wunde ab. In der Psychologie bezeichnet ein Trauma eine seelische Verletzung. Traumatisierende Ereignisse können zum Beispiel schwere Unfälle, Erkrankungen, Kriege und Naturkatastrophen sein, oder auch Erfahrungen psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt sowie schwere Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen. Davon kann auch jemand betroffen sein, der das Ereignis nicht unmittelbar sondern zum Beispiel als Augenzeuge erlebt hat.

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Trauma häufig als Bezeichnung für verschiedenste leidvollen Erfahrungen verwendet, wenn betont werden soll, wie belastend ein Ereignis oder eine Situation für den Betroffenen sind. Ob tatsächlich von einer Traumatisierung im medizinischen Sinne gesprochen werden kann, können jedoch nur Fachärzte und Psychotherapeuten beurteilen.

Traumatisierungen müssen nicht zwingend berufsbedingt sein

Ein aggressiver Kunde im Supermarkt, ein Raubüberfall auf einen Bankangestellten, ein gewalttätiger Patient im Pflegeheim – es gibt viele Branchen, in denen sich Beschäftigte mit Situationen auseinandersetzen müssen, die sie extrem belasten können. Angestellte in der Pflege, im Einzelhandel, im Bankwesen, in der Verwaltung oder bei Sicherheitsdiensten werden im Berufsalltag nicht selten mit Bedrohungen konfrontiert oder sehen sich sogar tätlichen Angriffen ausgesetzt. Und sie sind längst nicht die einzigen Berufsgruppen, für die ein erhöhtes Risiko berufsbedingter Traumatisierung besteht. Auch Helferinnen und Helfer wie Polizisten und Rettungskräfte oder manche Journalistinnen und Journalisten erleben im Beruf regelmäßig Situationen, die traumatisierend sein könnten. 

Neben außergewöhnlichen Erlebnissen am Arbeitsplatz können auch Ereignisse im Privatleben Beschäftigte so stark belasten, dass sie ihrer Arbeit nicht mehr wie gewohnt nachgehen können. Schwer zu verarbeitende Erfahrungen sind etwa der Tod eines nahen Verwandten oder des Partners, eine schwere Krankheit, die den Beschäftigten selbst oder ein Familienmitglied betrifft, der Tod eines nahen Freundes oder das Erleben eines Verbrechens oder eines Unfalls. Besonders Gewalterfahrungen wie Überfälle, Vergewaltigungen oder Misshandlungen, aber auch Gefahrensituationen wie Brände oder Verkehrsunfälle können Betroffene traumatisiert zurücklassen – auch dann, wenn sie als Augenzeuge oder Familienmitglied nicht unmittelbar betroffen sind. Ganz gleich, ob die Ursachen für eine Traumatisierung am Arbeitsplatz oder im Privatleben zu finden sind: Führungskräfte sollten die Gesundheit ihrer Beschäftigten im Blick haben und aufmerksam für Anzeichen einer starken Belastung sein.

Was passiert bei einem Trauma?

Kennzeichnend für eine psychische Traumatisierung ist eine tiefe seelische Erschütterung, die dazu führt, dass das angeborene biologische Stresssystem und damit auch die natürlichen Verarbeitungswege überfordert sind. Betroffene zeigen dann nicht nur seelische, sondern auch körperliche Symptome. Diese deuten darauf hin, dass es Körper und Geist schwer fällt, das Erlebte angemessen zu verarbeiten. Die Folge: Der Betroffene kann die Erfahrung nicht wie gewohnt in seinen Erfahrungsschatz integrieren und auf diese Weise Abstand zum Erlebten zu gewinnen. Verharrt der Organismus auf diesem erhöhten Stressniveau, kann es passieren, dass der Betroffene Folgeschäden entwickelt. Dann spricht man von einer Traumfolgestörung.

Normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis 

Posttraumatisches Stresserleben und daraus resultierendes Erleben und Verhalten ist nicht unnormal oder ein Zeichen von Schwäche. Es ist vielmehr ein Signal dafür, dass das Gehirn bemüht ist, Erlebtes zu verarbeiten. Es ist eine natürliche Reaktion des Körpers und der Psyche auf eine zutiefst belastende Erfahrung. Da sich Unfälle und andere unvorhergesehene Ereignisse leider nie vollständig vermeiden lassen, kann im Grunde jeder Mensch in die Situation kommen, eine tiefe seelische Erschütterung und ein damit einhergehendes Trauma bewältigen zu müssen. 

Abwehrreaktionen, körperliche Beschwerden, Vermeidung: Jeder Mensch reagiert anders auf ein Trauma

Es gibt zahlreiche Symptome, die im Zusammengang mit einem Trauma stehen können. Wichtig zu wissen ist, dass Menschen ganz unterschiedlich auf das reagieren, was ihnen widerfahren ist. Manche Betroffene entwickeln starke Symptome und vermeiden alle Situationen, die sie an das traumatische Erlebnis erinnern könnten. Viele leiden zudem unter körperlichen Beschwerden wie beispielsweise Schwindel, dauerhafter Erschöpfung oder Magen-Darm-Erkrankungen oder stehen ohne erkennbaren Grund unter Dauerstress. Anderen ist die Belastung kaum anzumerken, sie wirken auf Außenstehende abgeklärt und scheinen sich auf den ersten Blick kaum von dem Erlebten beeinflussen zu lassen. Innerlich spüren diese Betroffenen häufig eine Art emotionale Taubheit – ein Schutzmechanismus, der eine Abwehrreaktion gegenüber dem Erlebten darstellt und ein Zeichen dafür sein kann, dass es schwerfällt, das Erlebte zu verarbeiten. 

Anzeichen erkennen und angemessen reagieren

Die Symptome sind vielfältig und individuell verschieden. Als Führungskraft ist es nicht Ihre Aufgabe, ein Trauma zu diagnostizieren. Sie sollten jedoch darüber informiert sein, dass Verhaltensauffälligkeiten nach einem belastenden Ereignis darauf hindeuten können, dass jemand mit der Verarbeitung des Erlebten überfordert ist. Dann ist es wichtig, dem Betroffenen Unterstützung dabei anbieten und sich an den richtigen Stellen professionelle Hilfe zu suchen. 

Auffäliges Verhalten können zum Beispiel die Vermeidung von Orten, Situationen oder eine emotionale Überreaktionen auf Situationen sein, die den Beschäftigten vorher nicht aus der Ruhe gebracht haben – kurz: Wenn Sie den Eindruck haben, dass sich jemand (anhaltend) nicht mehr so verhält wie früher, ist es angebracht, sich Zeit zu nehmen und den Betroffenen darauf anszusprechen. Hilfe zur Gesprächsvorbereitung erhalten Sie im Kapitel “Die Folgen im Blick”.