psyGA-Fokus:
Digitale Transformation

Digitalisierung, was ist das eigentlich? Wie steht sie im Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt? Ist sie Herausforderung oder Chance? Eine Entwicklung, Transformation oder tatsächlich die viel diskutierte „Revolution“?

„Das Wissen ist da –
es muss nur genutzt werden“

Mit diesem Motto ist psyGA 2012 unter dem Dach der Initiative Neue Qualität der Arbeit in mittlerweile sechs erfolgreiche Projektjahre gestartet. In diesen Jahren hat psyGA sich vielen Facetten dieser Frage gewidmet. Unser Netzwerk hat recherchiert, befragt, zusammengefasst und erarbeitet. In den vergangenen Jahren haben wir eine ganze Reihe von potentiellen Antworten gefunden, die wir für Sie aufbereitet haben. 

Diese Suche wollen wir in den nächsten drei Jahren fortsetzen. Denn auch für psyGA und das Thema psychische Gesundheit ist die digitale Transformation eine zentrale Aufgabe.

 

 


Um dem Verhältnis von Digitalisierung und psychischer Gesundheit auf den Grund zu gehen, haben wir bei Menschen nachgefragt, die sich wissenschaftlich, politisch, künstlerisch und in ihrer Arbeitspraxis mit der Thematik befassen. Zusammengekommen sind Antworten und Perspektiven, die einen Einblick in eine hochkomplexe und ungemein wichtige Debatte bieten. 

Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?

Dr. Renate Rau, Professorin für Arbeitspsychologie an der Universität Halle-Wittenberg, hat 8 Fragen zur Zusammenarbeit von Mensch und Technik beantwortet, die zur Diskussion einladen.

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„Technologie ist nicht die einzige Stressursache“

Organisations- und Wirtschaftspsychologe Professor Bertolt Meyer über Stress am Arbeitsplatz, die Chancen der Digitalisierung und darüber, was Unternehmen beim Thema Mitarbeiterführung besser machen können.

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Die Digitalisierung hat durchaus das Zeug, die Arbeitswelt grundlegend zu verändern.
Roboter sind noch lange nicht so weit, wie die Medien es darstellen.
Wir müssen aufpassen, dass durch zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten nicht das Diktat des ‚Always and everywhere‘ entsteht.

Es gelingt nur gemeinsam

Dr. Natalie Lotzmann, Themenbotschafterin Gesundheit der Initiative Neue Qualität der Arbeit, über Herausforderungen in der digitalen Transformation.

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Nachgefragt

Psychisch gesund in der digitalen Arbeitswelt – Mindful or mind full? Wie schätzen Sie die Auswirkungen der Digitalisierung auf die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt ein?

 

 

Peer-Oliver Villwock, Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Die digitale Transformation schreitet voran – wir alle spüren dies im Privaten genauso wie am Arbeitsplatz. Für die Förderung der psychischen Gesundheit von Beschäftigten gibt es kein Patentrezept. Von zentraler Bedeutung ist eine beteiligungsorientierte Unternehmenskultur, die Belastungen reduziert und Ressourcen stärkt, sowie eine mitarbeiterorientierte Führung, die zum Beispiel Angebote der Betrieblichen Gesundheitsförderung als Instrument zum Management der Digitalisierung nutzt.

Dr. Julia Schröder, BKK Dachverband e. V.

Die Gestaltung der Arbeit hat entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit und die digitale Transformation schafft dafür viele Möglichkeiten. Der bewusste Umgang mit der Geschwindigkeit der Veränderungen ist eine Herausforderung für Organisationen
und für jeden Einzelnen. Das zeigen die hohen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund von psychischen Erkrankungen – das merkt jeder von uns am täglichen Stresslevel. Ein ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement, das Prozesse in Unternehmen in den Blick nimmt und die Gesundheitskompetenz des Einzelnen stärkt, ist unverzichtbar, um Arbeit gesundheitsförderlich zu gestalten.

Oliver Suchy, Deutscher Gewerkschaftsbund DGB

Für die psychische Gesundheit in der digitalen Arbeitswelt wird der Umgang mit persönlichen Daten zu einer entscheidenden Sollbruchstelle. Neue Technologien können Arbeitsbedingungen erleichtern, genauso aber auch neuen Druck zur marktgerechten Optimierung menschlicher Leistungsfähigkeit und individuellen Verhaltens erzeugen. Hier entstehen Zielkonflikte, die nicht allein durch flauschige „Kultur“ gelöst werden können. Damit digitale Transparenz den Arbeitsplatz nicht in ein digitales Panopticon verwandelt, braucht es vor allem Mitsprache der Beschäftigten und Verhandlungen auf Augenhöhe.

Dr. rer. nat. Elisa Clauss, Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände – BDA

Eine besonders große Chance der Digitalisierung besteht darin, Arbeit flexibler zu gestalten. Für Beschäftigte bedeutet dies zum Beispiel eine bessere Vereinbarkeit von verschiedenen Lebensbereichen. Für Unternehmen und ihre Beschäftigten ist es wichtig, gemeinsam über den Rahmen der Flexibilität und die gegenseitigen Erwartungshaltungen zu sprechen, unter anderem, was den Umgang mit Dienst-Smartphones angeht. Auch die Stärkung der Eigenverantwortung ist wesentlich: Um den höheren Anforderungen an das Selbstmanagement gerecht zu werden, ist es notwendig, dass Beschäftigte ihre Arbeits- und Erholungszeit bewusst wahrnehmen, gestalten und nutzen.