Tischler, Friseurin, Automechaniker

Kein Stress mit dem Stress -

Im Handwerk

Stellen Sie sich vor, Sie sind Inhaber eines Handwerksbetriebs mit drei Beschäftigten. Plötzlich fällt ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin wegen einer psychischen Erkrankung für einen Monat aus. Keine unrealistische Vorstellung: 2013 waren Handwerker, die aus psychischen Gründen arbeitsunfähig waren, pro Krankmeldung im Durchschnitt 32 Tage lang nicht im Betrieb. Darüber wird im Handwerk häufig (noch) nicht gesprochen.

Warum das Thema psychische Gesundheit auch Handwerker angeht und was Handwerksbetriebe zum Gesundheitsschutz tun können, zeigt das Projekt „psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ (psyGA). Viel Spaß beim Stöbern!

Gesunde Beschäftigte

machen sich bezahlt

Studien zeigen: Jeder vom Betrieb in Gesundheitsprävention investierte Euro spart langfristig zwischen zwei und zehn Euro ein. Gesundheitsförderliche Maßnahmen nutzen also nicht nur den Beschäftigten, sondern zahlen sich auch für den Betrieb aus.

Seit 2009 sind Leistungen der betrieblichen Gesundheitsförderung in Höhe von 500 Euro pro Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter und Jahr steuerfrei. Betriebe können ohne steuerliche Prüfung Maßnahmen wie Bewegungsprogramme, Ernährungsangebote, Kurse zur Suchtprävention oder Stressbewältigung umsetzen, sofern diese bestimmte Anforderungen erfüllen.

Was Sie als Unternehmer oder Unternehmerin dabei beachten sollten:

  • Die genauen Kriterien sind im „Leitfaden Prävention“ der gesetzlichen Krankenkassen festgehalten. 
  • Nicht steuerbefreit sind Beiträge für Sportvereine oder Fitnessstudios. 
  • Die Gesamtkosten für eine Maßnahme können auf die teilnehmenden Beschäftigten aufgeteilt werden. 
  • Betriebe können auch Barzuschüsse oder Gutscheine für externe Maßnahmen an die Beschäftigten weitergeben. 
  • Die Steuerbefreiung gilt nur dann, wenn die Gesundheitsleistungen zusätzlich zum Arbeitslohn erbracht werden – eine Anrechnung auf den Lohn ist nicht steuerfrei. 
  • Auch bei Kosten von über 500 Euro ist eine Befreiung von der Steuerpflicht möglich. Arbeitgeber müssen dann nachweisen, dass die Maßnahmen „im überwiegend betrieblichen Interesse“ sind. Der Einzelfall muss mit dem zuständigen Finanzamt geklärt werden.
Juwelierin

Machen Sie

den Selbsttest!

Testen Sie mit den Kurzchecks für das Handwerk, wie es in Ihrem Betrieb, bei Ihren Mitarbeitenden und bei Ihnen selbst um die (psychische) Gesundheit steht.

Schauen Sie auf Andere!

Wie setzen Handwerksbetriebe Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in der Praxis um? Unternehmerinnen und Unternehmer berichten. Die Beispiele stammen aus der psyGA-Handlungshilfe für das Handwerk. Dort erfahren Sie, vor welchen Herausforderungen die Betriebe standen und wie sie diese erfolgreich gemeistert haben.

 

 

Wir haben bei uns selbst angefangen und uns mit der eigenen Stressbewältigung auseinandergesetzt. Das hat sich wie ein Dominoeffekt auf die Belegschaft übertragen. Dadurch haben wir letztlich mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit für alle im Betrieb erreicht.
Es ist gut, durch die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001dazu gezwungen zu sein, sich mit der eigenen Organisation und Positionierung am Markt zu beschäftigen. So entwickeln wir uns permanent weiter. Auch die Beschäftigten profitieren davon durch reibungslosere Arbeitsabläufe, klare Strukturen und Aufgabenverteilungen.
In der täglichen Zusammenarbeit entstanden über die Jahre Ungereimtheiten, zum Teil auch durch fehlende Kommunikation. [...] Die Beschäftigten und wir als Geschäftsführung hatten den Wunsch, das Wir-Gefühl zu stärken. Dafür haben wir gemeinsam Ideen entwickelt und umgesetzt und so die Qualität der Zusammenarbeit spürbar verbessert.
Über verschiedene Maßnahmen haben wir unsere Führungskompetenzen ausgebaut und Sicherheit und Selbstvertrauen beim gesunden Führen gewonnen. Wir wollen ein einheitliches Führungsverständnis und eine wertschätzende Kommunikation verankern, um Konflikte zu vermeiden und Stress abzubauen.
Klare Strukturen und Verantwortungsbereiche haben für mich und meine Beschäftigten viel Stress rausgenommen. Die Zeitinvestition in das Thema hat sich absolut gelohnt: Wir sparen Geld, schonen unsere Nerven, haben weniger Konflikte und mehr Zeit und Freude bei der Arbeit.
Wichtig bei technischen Neuerungen ist, dass die Beschäftigten in den Veränderungsprozess miteinbezogen, gut informiert und weitergebildet werden.
Wir achten sehr auf das Wohlbefinden unserer Beschäftigten und pflegen einen engen Kontakt mit viel Kommunikation. Für die Beschäftigten da sein, zuhören, verstehen und gemeinsam sinnvolle Lösungen finden, ist unser Erfolgsrezept.
Beim Einstieg ins Betriebliche Gesundheitsmanagement 2014 haben wir durch Mitarbeiterinterviews Ansatzpunkte zur Optimierung der Arbeitsbedingungen identifiziert und gemeinsam mit den Beschäftigten Lösungsideen entwickelt. Wir konnten in allen Bereichen spürbare Verbesserungen für Beschäftigte und Kunden erzielen.
Die Basis unseres Firmenkonzeptes ist eine wertschätzende Mitarbeiterführung, die sich in allen Bereichen des Arbeitsalltags deutlich zeigt und schon seit Firmengründung konsequent und systematisch gelebt wird.

Werden Sie aktiv!

Die Materialien des Projekts psyGA bieten spannende Informationen zum Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz und praktische Tipps, wie Sie gezielt die Gesundheit im Betrieb schützen und fördern können.

Alle Materialien sind hier kostenlos verfügbar.

Einige ausgewählte Materialien und Arbeitshilfen:

Handlungshilfe für das Handwerk

Handlungshilfe für das Handwerk

eLearning-Tool für Kleinbetriebe

eLearning-Tool für Kleinbetriebe

Handlungshilfe für Beschäftigte

Handlungshilfe für Beschäftigte

zwei Hände mit Schraubenschlüsseln

Holen Sie sich Unterstützung!

Wenn es um die konkrete Umsetzung gesundheitsförderlicher Maßnahmen im eigenen Betrieb geht, kann eine externe Beratung sehr hilfreich sein. Verschiedene Institutionen und Projekte bieten solche Beratungen an und können erster Ansprechpartner sein, wenn es konkret wird.

Betriebskrankenkassen

Die Beraterinnen und Berater der Betriebskrankenkassen (BKK) unterstützen Unternehmen aller Branchen und Größen bei der Gesundheitsförderung. Der Dachverband der Betriebskrankenkassen hat außerdem die Projektleitung von psyGA inne und legt damit einen Schwerpunkt auf Schutz und Förderung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz.

Andere Krankenkassen

Auch die anderen gesetzliche Krankenkassen erfüllen als Teil der Sozialversicherung in Deutschland den öffentlichen Auftrag, Gesundheit und Prävention in der Arbeitswelt zu fördern. So bieten neben den BKK auch die Innungskrankenkassen (IKK), die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und die Ersatzkassen (zusammengeschlossen zum Verband der Ersatzkassen vdek) individuelle Unterstützung für Betriebe. Eine gute erste Anlaufstelle ist die Krankenkasse, bei der die meisten Beschäftigten versichert sind.

Berufsgenossenschaften und Unfallkassen

Die branchenspezifischen Berufsgenossenschaften und die Unfallkassen bilden gemeinsam die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Auch sie kümmern sich um gesundheitliche Prävention im Betrieb, ihr Schwerpunkt liegt dabei beim Thema Arbeitsschutz, Unfallprävention und berufliche Wiedereingliederung.

Staatlicher Arbeitsschutz der Länder

Auf Landesebene sind die Staatlichen Ämter für Arbeitsschutz für die Überwachung der Einhaltung staatlicher Arbeitsschutzvorschriften zuständig. Sie koordinieren die Aktivitäten zum Thema Arbeitsschutz und sollen dessen Qualität sicherstellen. Außerdem sind sie Ansprechpartner für Arbeitgeber und Beschäftigte zu allen Themen rund um Arbeitsschutz und Gesundheit im Betrieb.

unternehmensWert:Mensch

Das Programm unternehmensWert:Mensch (uWM) ist Teil der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA), zu der aus psyGA gehört, und wird somit vom Bundesarbeitsministerium gefördert. Die Beraterinnen und Berater von uWM unterstützen kleine und mittlere Unternehmen dabei, eine mitarbeiterorientierte Personalstrategie zu entwickeln. Dabei können je nach Bedarf viele Themen eine Rolle spielen – auch die (psychische) Gesundheit.

Offensive Mittelstand

Die Offensive Mittelstand ist das eigenständige Mittelstandsnetzwerk der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Sie unterstützt mittelständische Betriebe bei den Themen systematisches und präventives Management, konsequente Personalförderung und -bindung, gute Unternehmenskultur und Innovationsfähigkeit. Die Offensive Mittelstand autorisiert Beraterinnen und Berater für die individuelle Beratung von Betrieben.

Gestalte mit!

Das Projekt Gestalte mit! ist ebenfalls Teil der Initiative Neue Qualität der Arbeit. In den Regionen Oberlausitz, Chemnitz und Ostthüringen bilden die Beraterinnen und Berater des Projekts Beschäftigte von Unternehmen zu sogenannten "Kümmerern" weiter, die dann im Unternehmen beispielsweise das Thema Gesundheit qualifiziert angehen können.

Sonstige Projekte der INQA

Neben den genannten individuellen Beratungsangeboten unterstützt die Initiative Neue Qualität der Arbeit in vielen Projekten Kleinbetriebe mit Materialien und Veranstaltungen. Eine Übersicht finden Sie in der INQA-Projektdatenbank. Spezifische Projekt für das Handwerk bzw. für Kleinbetriebe innerhalb der INQA sind sind beispielsweise AKKu (Arbeitsfähigkeit in Klein- und Kleinstunternehmen), MoMa (Moderne Meisterausbildung) und HANDgerecht (Handwerk gesund und demografiegerecht gestalten).

psyGA Kooperationspartner

20 Partner – von Krankenkassen wie der IKK classic über Unfallversicherungsträger bis zu Forschungsinstituten wie dem Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung – beteiligen sich aktiv am Projekt psyGA. Mit regionalen Transferveranstaltungen, der Erstellung von Materialien und weiteren Maßnahmen unterstützen Sie die Förderung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz. Auf der psyGA-Website erfahren Sie, was die einzelnen Kooperationspartner beitragen.

Weitere Ansprechpartner

Unterstützung beim Thema Gesundheit im Betrieb bieten auch die Industrie- und Handelskammern (IHK), die Handwerkskammern (HWK) sowie verschiedene Einrichtungen der Sozialpartner wie die Bildungswerke der Wirtschaft und die Bildungswerke der Gewerkschaften.