Als Team sind wir stark

Interview mit Nadja Prinz, Personalteamleiterin bei Tesa in Offenburg

Die zur Beiersdorf AG gehörende Firma Tesa betreibt ihr größtes produzierendes Werk mit etwa 400 Mitarbeitern am Standort Offenburg. Dort werden im Jahr 250 Mio. qm Klebeband produziert. Ausgezeichnet als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands 2012 und als „Fabrik des Jahres“ setzt sich Tesa schon lange und auf vielen Ebenen für seine Mitarbeiter ein. Für Tesa in Offenburg liegen dennoch viele Herausforderungen im Bereich psychische Gesundheit. Vor allem bei den Schichtmodellen, nach denen die Arbeit in der Fabrik organisiert ist, können körperliche Belastung und teilweise unregelmäßige Schlafzeiten für die Mitarbeiter in der Produktion zur Belastung werden.

„Wir haben gemerkt, dass wir im Bereich psychische Gesundheit schon sehr gut dastehen. Aber unsere Mitarbeiterbefragung hat auch gezeigt, dass das Thema Stress zugenommen hat. Wir haben zwar aktuell noch kein Problem, möchten aber präventiv tätig werden“, sagt Nadja Prinz, Personalteamleiterin bei Tesa in Offenburg. Vor diesem Ziel wurden im Unternehmen verschiedene Maßnahmen entwickelt und erfolgreich umgesetzt.

Zwar gab es in der Vergangenheit immer wieder einzelne Projekte des Unternehmens zum Thema Gesundheit wie zum Beispiel einen Bewegungsraum mit Trampolin und Yogakursen, aber die Evaluation dieser Maßnahmen war schwierig. Deshalb wurden die Einzelmaßnahmen gebündelt und über das ganze Jahr 2012 als einheitliche Kampagne mit kommunikativen und praktischen Elementen zum Thema psychische Gesundheit umgesetzt. „Wir hatten eine Kampagne zur Vermeidung von Schnittverletzungen, wie sie häufig bei der Produktion von Klebeband auftreten“, erzählt Nadja Prinz. „Nach der Sensibilisierung der Führungskräfte und vor allem durch verschiedene kommunikative Maßnahmen konnten wir einen deutlichen Rückgang der Schnittverletzungen erreichen. Nach diesem Erfolg haben wir das Konzept auch auf das Thema psychische Gesundheit angewandt.

Die Kampagne zur psychischen Gesundheit dockte an den Teamstrukturen im Werk an. „Bei uns ist es so, dass im Bereich Produktion viel in Gruppenarbeit organisiert wird. Unsere Mitarbeiter planen alles gemeinsam: Ihre Maschinen, ihren Urlaub und vieles mehr.“ Nadja Prinz ist überzeugt: „Diese Teamarbeit ist unser Schlüssel zum Erfolg.“

Im Rahmen der Kampagne zur psychischen Gesundheit wurden deshalb bei Team-Workshops bestimmte „Stress-Situationen“ besprochen und gemeinsam an der Lösung solcher Situationen gearbeitet. Das führte zu praktischen Ergebnissen: So wurde beispielsweise für Mitarbeiter, die häufig in wechselnden Schichten arbeiten, eine Schlafberatung engagiert. Denn ausreichender und erholsamer Schlaf gilt als ein wesentlicher Faktor für den erfolgreichen Umgang mit Stress am Arbeitsplatz. Neben den Teams wurden auch die Führungskräfte in den Blick genommen. Bei einem speziellen Seminar mit einem Experten der Sozialberatung wurden die Führungskräfte geschult, um Stress bei sich selbst aber auch ihren Mitarbeitern zu erkennen, darauf zu achten, welche Signale auf eine Überlastung hindeuten, und wie sie in solchen Situationen am besten reagieren können.

Schließlich sollten alle Mitarbeiter lernen, von ihren eigenen Widerstandskräften in Stresssituationen zu profitieren. „Wir sind mit den Mitarbeitern ihre persönlichen Anti-Stress-Ressourcen durchgegangen“, erzählt Nadja Prinz. „Denn psychische Belastungen sind nicht immer nur jobbedingt, sondern haben häufig viel breitere Ursachen.“ Für Tesa in Offenburg ist es wichtig, dass sich Mitarbeiter Fähigkeiten aneignen können, die sie vor Stress und Überlastung schützen.

Tipps für andere Unternehmen

Nadja Prinz empfiehlt folgende Maßnahmen, um die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden am Arbeitsplatz zu fördern:

  • Konzentrieren Sie Ihre Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung und versuchen Sie das Thema psychische Gesundheit auf allen Ebenen Ihres Unternehmens anzugehen. Das führt zu einem nachhaltigen Ergebnis, denn Einzelmaßnahmen „verpuffen“ schnell.
  • Schaffen Sie eine positive Unternehmenskultur. Wir nehmen unsere Mitarbeiter ernst und vertrauen ihnen – beispielsweise bei der Urlaubsplanung, aber auch bei der Umsetzung von verschiedenen Projekten. Gerade Mitarbeiter, die eine selbsterfüllende Arbeitszeitgestaltung haben, sind zufriedener bei der Arbeit.
  • Das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) hat nichts mit der Unternehmensgröße oder viel Geld zu tun. Investieren Sie in Ihre Teamentwicklung, lassen Sie verschiedene Maßnahmen im Team diskutieren und setzen Sie diese gemeinsam um. Und besonders wichtig: die Geschäftsleitung sollte bei allen Schritten immer „mit an Bord“ sein.

Das Unternehmen

Die Beiersdorf AG vertreibt seit mehr als 125 Jahren Marken wie Nivea, Hansaplast, 8&4, Eucerin oder Tesa. Das Tesa Werk in Offenburg, in dem mehr als 2100 Produkte hergestellt werden, beschäftigt 400 Mitarbeiter und produziert jährlich 250 Mio. qm Klebeband, davon mehr als drei Viertel für den Industriebereich, zum Beispiel die Automobil- und Elektronikindustrie.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website von tesa.