Führungskräfte beim Thema psychische Belastung nachhaltig unterstützen

Interview mit Nicole Trettner, Leiterin des Personalmanagements bei Hering Bau
 

Die Firma Hering Bau vereint viele unterschiedliche Arbeitsbereiche – von Beschäftigten auf Montage und Baustellen in ganz Deutschland, über die Produktion bis hin zu Büroarbeitsplätzen in der Zentrale. Um die Gesundheit aller Beschäftigten zu fördern, muss sich Hering Bau etwas einfallen lassen. Die Beschäftigten im Gleisbau erreicht das Unternehmen zum Beispiel in der Winterzeit bei den verpflichtenden Sicherheitstagen. Für solche und andere kreative Ideen wurde Hering Bau 2011 mit dem Unternehmenspreis Gesundheit vom BKK Dachverband ausgezeichnet.

 

„Als wir vor wenigen Jahren zum ersten Mal mit psychischen Erkrankungen konfrontiert wurden, mussten wir erst einmal lernen, damit umzugehen“, erzählt Nicole Trettner, Leiterin des Personalmanagements bei Hering Bau. Das Unternehmen lies deshalb Beschäftigte und Geschäftsleitung von Arbeitspsychologen in Sachen psychische Gesundheit weiterbilden. „Wir haben gemerkt, dass gerade Führungskräfte unter großem Druck stehen. Sie sind ja in einer Sandwich-Position, weil sie sowohl die Verantwortung für die Aufträge tragen, als auch ihre Beschäftigten führen müssen.“

 

Um die betroffenen Führungskräfte zu entlasten, wurden für sie neue und weniger belastende Aufgaben gesucht. „Wir haben dann erstmal die Verantwortlichkeiten unserer betroffenen Beschäftigten neu strukturiert, damit bei einer Rückkehr nach einer krankheitsbedingten Auszeit nicht die selben belastenden Mechanismen greifen können“, sagt Nicole Trettner. „Es war nicht immer einfach, die Führungskräfte zu überzeugen, Arbeit abzugeben. In solchen Fällen hilft es, das familiäre Umfeld der Beschäftigten mit einzubeziehen.“

 

Hering Bau ist überzeugt, dass Beschäftigte dann leistungsfähig sind, wenn sie sich wohlfühlen und die Arbeit Spaß macht. Deshalb wird das Thema Unternehmenskultur groß geschrieben. „Unternehmenskultur hat für mich ganz viel mit Führung zu tun, auf allen Hierarchien im Unternehmen. Es kommt darauf an, dass alle Beschäftigten über Unternehmensziele und Aufgaben umfassend informiert werden, damit niemand zurückgelassen wird.“

 

Das Unternehmen bietet den Beschäftigten regelmäßige Seminare zu den Themen Zeitmanagement und Stressmanagement an und führt einen jährlichen Sicherheits- und Gesundheitstag durch. Die Führungskräfte nehmen an speziellen Trainings zur psychischen Gesundheit teil, dank verschiedener Folgeveranstaltungen bleibt das Thema auch langfristig auf der Agenda. Ziel ist, dass Führungskräfte auf diesem Kompetenzen aufbauen, um bei ihren Beschäftigten die Zeichen einer Überlastung frühzeitig zu erkennen. „Schon unsere Stellenbeschreibungen enthalten den Passus, dass Führungskräfte auch die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Beschäftigten tragen“, erläutert Nicole Trettner. Alle Beschäftigten können sich zudem bei privaten oder beruflichen Problemen an eine Beratungsstelle in der Region wenden, mit der Hering Bau kooperiert. 2012 hat das Unternehmen eine umfassende PSI-Analyse durchgeführt (Psychischer-Immunsystem-Index). Das Ergebnis: Im Unternehmen verbergen sich potenzielle Belastungsquellen. Um hier präventiv zu handeln, wurden gezielt Seminare zu diesen Belastungsquellen absolviert.

 

Tipps für andere Unternehmen

Nicole Trettner empfiehlt folgende Maßnahmen, um die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden am Arbeitsplatz zu fördern:

  • Nehmen Sie sich die Zeit für gesundes führen, denn sie ist es wert! Vor lauter Tagesgeschäft bleibt oft wenig Freiraum. Dabei ist das Thema psychische Gesundheit kein Selbstläufer. Kommen Sie als Führungskraft in Ihrer täglichen Arbeit darauf zurück und stoßen Sie das Thema immer wieder im Unternehmen an.

 

  • Sehen Sie Ihre Beschäftigten als Menschen, nicht nur als reine Arbeitskräfte! Oftmals wird bei brummendem Geschäft der Mensch vergessen. Wenn Sie Maßnahmen entwickeln, dann sollten Sie nicht nach dem Gießkannenprinzip arbeiten. Ein gut durchdachtes Grundkonzept ist die Basis, damit die Maßnahmen auch zum jeweiligen Umfeld und zu den Beschäftigten passen.

 

Das Unternehmen

Hering Bau GmbH & Co. KG ist ein familiengeführtes, mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Burbach in Nordrhein-Westfalen. Die rund 500 Beschäftigten arbeiten bei so unterschiedlichen Projekten wie der Sanierung kommunaler Gebäude, der Entwicklung von Bahnsteigdächern, dem Lärmschutz oder dem Gleis- und Ingenieurbau. Zu den Kunden zählen neben Bahnbetreibern in verschiedenen Ländern auch private Investoren und die Öffentliche Hand.