Der Schlüssel zum Erfolg? Mitarbeiterorientiert denken!

Interview mit Judith Nauendorff, Direktorin des SORAT Hotel Brandenburg an der Havel
 
 

Kann man auch als kleines oder sehr kleines Unternehmen etwas für die Gesundheit seiner Beschäftigten tun? Ja man kann – das zeigt das SORAT Hotel in Brandenburg an der Havel eindrucksvoll. Das mittelständische Unternehmen mit 37 Beschäftigten, davon acht Auszubildende, setzt systematisch auf die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Kleines Unternehmen, eine Branche mit vielen Herausforderungen – was hat den Ausschlag gegeben, sich trotzdem für Gesundheit zu engagieren? Seit der Gründung der Sorat-Hotelgruppe 1989 in Berlin legt das Unternehmen wert auf ein gutes Miteinander der Beschäftigten. Weil sich die Arbeitsanforderungen, aber auch die Rückmeldungen der Beschäftigten verändert haben, ist das Thema Gesundheit in den letzten Jahren noch mehr in den Fokus des Unternehmens gerückt. „Ich war auch selbst betroffen“, erzählt Judith Nauendorff. „Da ist mir die Bedeutung der eigenen Gesundheit aber auch der meiner Beschäftigten noch einmal ganz besonders bewusst geworden.“ Sie ist überzeugt, dass die Zufriedenheit der Beschäftigten ganz entscheidend vom Betriebsklima abhängt. Und dieses Betriebsklima gilt es durch ausreichende Kommunikation mit den Beschäftigten und viel Wertschätzung zu prägen.

 

Branchentypisch hatte in der Vergangenheit die Zahl der krankheitsbedingten Fehlzeiten zugenommen und die Arbeitsmotivation bei einigen Beschäftigten war spürbar gesunken. „Wir haben in Gesprächen mit den Beschäftigten festgestellt, dass der gestiegene Leistungsdruck und die Angst vor Fehlern die Hauptursachen für diese Entwicklung waren. Nachdem wir aber dieses Problem angepackt haben, ist die Fluktuation zurückgegangen. Und wenn man 80 Prozent der eigenen Zeit in die Beschäftigen investiert, dann läuft der Betrieb fast von selbst“, sagt Judith Nauendorff.

 

Dieses Beispiel zeigt, dass auch kleinere Unternehmen Maßnahmen umsetzen können, wenn der gemeinsame Wille zur Veränderung da ist. Dass das Hotel mit dieser Strategie auf einem guten Weg ist, zeigen auch die vielen positiven Rückmeldungen der Gäste zum Betriebsklima und Servicequalität.

 

Das Hotel unterstützt seine Beschäftigten auf mehreren Ebenen. Da sind zum einen die reinen sportlichen Aktivitäten wie im Rahmen der „SORATiade“, bei denen die Belegschaft die Disziplinen der olympischen Spiele gemeinsam nachstellt. Oder die Rückenschule zweimal im Jahr für acht Stunden und der Betriebsarzt, der für alle Beschäftigten da ist. Aber die Beschäftigten bekommen auch Informationsmaterialien rund um das Thema Gesundheit und können an Vorsorgeuntersuchungen und Anti-Stress-Seminaren teilnehmen. „Wenn meine Beschäftigten körperlich gesund sind, ist das schon der halbe Weg zur psychischen Gesundheit.“ Zum anderen stehen Themen wie ständige Erreichbarkeit und die Gestaltung von Diensten an Feiertagen wie Weihnachten oder Silvester ebenfalls auf der Agenda.

 

Daneben kümmert sich das Hotel auch speziell um die Gesundheit seiner Führungskräfte. Diese stehen immer vor der Herausforderung, selbst gesund zu bleiben und gleichzeitig auf die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu achten. „Ich habe bei einer Führungskraft bemerkt, dass es Probleme mit dem Team gab. Nach einer Analyse habe ich einen Teamcoach beauftragt, der dann das ganze Team, nicht nur die Führungskraft, in den Blick genommen hat“, erklärt Judith Nauendorff. „Gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft Nahrung und Gastgewerbe (BGN) habe ich einen Psychologen eingeschaltet und Lösungen für unseren Fall entwickelt.“ Auch für Führungskräfte in einem Hotel können Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Balance zwischen Arbeit und Privatleben eine große Rolle spielen. „In unserem Fall hat sich nach der Analyse und der Arbeit mit dem Psychologen das Betriebsklima deutlich verbessert“.

 

Für das SORAT Hotel in Brandenburg ist klar: Je stärker der Fachkräftemangel im Gastgewerbe wird, desto mehr Qualität in und bei der Arbeit müssen den Beschäftigten geboten werden. „Gerade die mittlere Führungsebene muss in dieser Hinsicht noch geschult werden. Und es müssen Stressfaktoren reduziert werden. Das heißt für unsere Branche vor allem eine andere Arbeitsorganisation, das heißt auch, mal eine teurere Fachkraft einzustellen statt eines Azubis.“

 

Tipps für andere Unternehmen

Judith Nauendorff empfiehlt:

  • Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Beschäftigten, schieben Sie keine Ausreden vor. Wer wirklich etwas im eigenen Betrieb verändern will, der kann das auch schaffen. Getreu dem Motto: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

  • Nutzen Sie die kostenfreien Seminare, die zum Beispiel die Berufsgenossenschaft oder die lokale Industrie- und Handelskammer anbietet. So können Sie auch als kleines oder mittleres Unternehmen praxisnahes Wissen und erprobte Lösungen für Ihren Betrieb kennenlernen, ohne dafür gleich einen Experten ins Haus zu holen. Falls Ihr Betrieb zu einem größeren Unternehmen gehört – sprechen Sie die Zentrale an! Sicherlich gibt es auch dort Know-how und Unterstützung.

  • Fragen Sie Ihre Beschäftigten was verändert werden sollte! Man kann viel tun, wenn man sich im direkten Arbeitsumfeld umschaut. Nehmen Sie sich als Führungskraft zurück und lassen Sie die Beschäftigten die Umgestaltung anstoßen.

  • Zeigen Sie, dass Sie Ihre Beschäftigten und deren Leistung wertschätzen! Gerade Lob kommt im Tagesgeschäft oft zu kurz.

 

Über Judith Nauendorff

 

Im SORAT Hotel in Brandenburg an der Havel arbeiten derzeit 37 Beschäftigte, davon 8 Auszubildende in den Berufen Koch, Hotelfach und Restaurantfach. Das Hotel verfügt über drei Restaurants, eine Sauna und 88 Zimmer mit 172 Betten. 80 Prozent der Gäste sind Geschäftsreisende. Die SORAT Hotelgruppe betreibt zehn Häuser in Deutschland und neun Hotels in der Schweiz.