Psychische Belastungen lassen sich nicht wegtrainieren

psyGA-Fachforum zum Thema Psychische Gesundheit im Leistungssport

Was hält Sportlerinnen und Sportler, die hohen Trainingsbelastungen ausgesetzt sind, psychisch gesund? Diese Frage stand im Zentrum des psyGA-Fachforums „Kein Stress mit dem Stress – Psychische Gesundheit im Leistungssport erhalten und fördern“ am 8. November in Duisburg. Das Programm der Novitas BKK und der Initiative MentalGestärkt lieferte Impulse für mehr Akzeptanz im Umgang mit psychischen Belastungen im Sport.

„Von Leistungssportlern dachte man lange, sie seien körperlich und mental so stark, dass sie unmöglich an psychischen Erkrankungen leiden können“, so Frank Brüggemann, Vorstandsvorsitzender der Novitas BKK. Dass das Gegenteil der Fall ist, zeigte der Umgang mit Fußball-Profi Per Mertesacker. Nachdem er öffentlich den hohen Druck im Profi-Fußball beklagt hat, wurden seine Äußerungen in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.

Dabei müssen auch Amateur- und Nachwuchssportlerinnen und -sportler oft mit Situationen umgehen, die psychisch belasten können. „Nicht immer sind Depressionen die Folge“, so der Sportjournalist und Buchautor, Roland Reng. „Auch Burnout, Angststörungen, Sucht oder Essstörungen können die Folge langfristiger Überlastung sein.“ Wie kann die Antwort dazu aussehen? Welchen Umgang braucht der Leistungssport mit psychischen Belastungen?

Das Fazit des Fachforums fällt eindeutig aus: „Sportpsychologische Angebote sollten genauso selbstverständlich im Leistungssport dazugehören wie tägliches Training oder Physiotherapie“, so die Sportpsychologin Marion Sulprizio von der Initiative MentalGestärkt. Frank Brüggemann ergänzte: Ob diese Hilfe angenommen werde, entscheide häufig die Vereinskultur. Sie lasse sich im Sport ebenso wie in Unternehmen gestalten.

Ein Video zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

„Als Trainer wurde mir das krasse Missverhältnis zwischen Freude und Anspannung besonders deutlich“

Fußballtrainer Marc Roch über die psychischen Belastungen im Profi-Sport

„Auch wenn es für psychische Erkrankungen meistens nicht den einen Grund gibt, glaube ich, dass für Spieler und Trainer ein besonders großes Problem in der nie endenden Dauerschleife des Wettkampfs liegt. Als Spieler hatte ich das in jungen Jahren nicht. Erst mit der zunehmenden Reife und dem damit verbundenen vermehrten Nachdenken wurde es schwieriger. Die Leichtigkeit schwindet oft mit dem Älterwerden und der Zunahme von Verantwortung.

Als Trainer wurde es dann besonders auffällig: Das krasse Missverhältnis zwischen Freude und Anspannung. Im Prinzip hatte ich nur in den wenigen Momenten nach einem gewonnenen Spiel ein richtiges Hochgefühl, bestehend aus Freude und/oder Erleichterung. Aber spätestens, wenn ich im Auto auf dem Nach-Hause-Weg war, kreisten die Gedanken schon um das nächste Spiel.

Ich glaube, ich war nie wirklich depressiv. Aber die Ansätze dorthin kann ich schon sehr gut nachvollziehen. Aus meinen langjährigen Erfahrungen und vielen Einzelgesprächen mit Trainerkollegen und Spielern entnehme ich, dass es vielen so ähnlich geht beziehungsweise ging. Ich weiß auch keine Lösung hierzu. Ich glaube aber, dass es gerade Veranstaltungen wie die gestrige sind, die zu einem anderen Bewusstsein und zu mehr Sensibilisierung zu diesem weitläufigen Themenfeld führen können und auch sollten – auch wenn natürlich klar ist, dass eine Halbtagesveranstaltung viel zu kurz ist für dieses spannende und in der Vergangenheit unterbelichtete Thema.“