Psychisch gesund – psychisch krank

Worum geht es?

Erschöpfter Geschäftsmann in der Toilette. ©: plainpicture/STOCK4B-RFStress und Burnout sind heute zwei Begriffe, die in der öffentlichen Diskussion, den Medien und in Unternehmen teils inflationär verwendet werden. In der Auseinandersetzungen mit dem Thema stehen psychische Erkrankungen oftmals im Fokus und versperren damit den Blick auf die Kehrseite der Medaille: Wer aktiv Gesundheit fördern will, sollte dieses Ziel auch formulieren und verfolgen und sich nicht auf die Vermeidung psychischer Erkrankungen beschränken.

Einseitige und negative Berichterstattungen tragen dazu bei, dass psychische Erkrankungen nach wie vor tabuisiert werden. Auch wenn diese Tendenz über die Zeit abgenommen hat, verbergen Betroffene auch heute ihre Krankheit noch oft vor Kollegen und Freunden.

Was heißt „psychisch krank“?

Häufige, intensive und lang andauernde Normabweichung des Erlebens, Befindens und Verhaltens deuten auf eine psychische Erkrankung hin. Diese Erkrankungen werden in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) als „Psychische und Verhaltensstörungen“ (ICD-10, Kap. V (F)) beschrieben. Dort finden sich Krankheitsbilder wie Depression, manisch-depressive Erkrankungen, Angststörungen und Schizophrenien.

Oft gehen diese Krankheiten für den Betroffenen mit Leid, Angst, Verunsicherung sowie einem Verlust an Freiheit einher. Vor allem länger andauernde Krankheitszustände können bei Betroffenen zu einer Einschränkung der Lebensqualität in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Freizeit führen.

Der Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und Erkrankung ist ein wechselseitiger Prozess. Wenn ein Mensch psychisch erkrankt, können die Ursachen hauptsächlich in der Person selbst liegen, aber auch im privaten oder beruflichen Umfeld. Auf der anderen Seite stellt z. B. eine Depression selbst auch einen Stressfaktor dar, der die Leistungsfähigkeit einer Person am Arbeitsplatz beeinträchtigt.

In jedem Fall ist es wichtig, die Anzeichen frühzeitig zu erkennen: Wenn psychische Erkrankungen nicht rechtzeitig behandelt werden, tritt eine Verschlechterung ein, und sie können langfristig chronisch verlaufen.

Was ist psychische Gesundheit?

Gesundheit ist ein „Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“, definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Definition macht deutlich, dass körperliche Gesundheit und psychisches Wohlbefinden zusammen gehören: Wer sich psychisch nicht wohl fühlt, ist weder richtig gesund noch leistungsfähig. Psychische Gesundheit ist eine unverzichtbare Grundlage, um im modernen Arbeitsleben zu bestehen und sich fachlich wie persönlich entwickeln zu können.

In Anlehnung an die Definition der British Heart Foundation (2008) ist die psychische Gesundheit wesentlich dafür, das Leben zu genießen und gleichzeitig Schmerzen, Enttäuschung und Unglück zu überwinden. Sie ist eine positive Lebenskraft und ein tiefer Glaube an unsere eigene Würde und unseren Selbstwert.