Frühverrentungen und Fehlzeiten

Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Leiden nimmt zu

Immer mehr Menschen werden aufgrund psychischer Leiden arbeitsunfähig. Dies zeigt sich vor allem bei den Frühverrentungen: 42,7 Prozent aller Frührentner gingen 2013 aufgrund einer psychischen Krankheiten vorzeitig in den Ruhestand. Damit hat sich der Wert innerhalb von zwanzig Jahren beinahe verdreifacht. Besonders betroffen sind Frauen: Fast die Hälfte aller Frühverrentungen bei Frauen basieren auf psychischen Problemen. Bei den Männern ist es gut ein Drittel. Die am häufigsten auftretenden Krankheiten sind Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen. Die Zahlen teilte die Deutsche Rentenversicherung mit.

Depressionen haben zudem eine wachsende Auswirkung auf den Krankenstand. Laut einer Analyse des IGES-Instituts hat sich die Anzahl von Fehltagen, die auf einer Depression beruhen, in den letzten 13 Jahren um 178 Prozent erhöht. Ein Ende dieses Trends ist vorerst nicht in Sicht.

Wissenschaftler sehen einen Grund für diese Entwicklungen in den Anforderungen der modernen Arbeitswelt. Eine hohe Leistungsbereitschaft und ständige Erreichbarkeit werden vor allem im Dienstleistungssektor erwartet und gelten als Krankmacher. Auch die Anforderungen steigender Mobilität und Flexibilität sowie unsichere Arbeitsverhältnisse erhöhen die Anfälligkeit für psychische Leiden.

Die Zahlen drücken jedoch auch eine andere Entwicklung aus, die durchaus Mut macht: Die Gesellschaft ist offener im Umgang mit psychischen Krankheiten geworden. Eine höhere Sensibilität für das Thema führt dazu, dass Fach- und Hausärzte psychische Leiden schneller erkennen und diagnostizieren. Durch eine ausgereiftere Diagnosepraxis können Ärzte heute zudem Krankheiten genauer benennen.