Stressfaktor Ungewissheit

Arbeitsunsicherheit kann Folgen für die Gesundheit haben

Die Sorge um den Arbeitsplatz, vor einer ungewollten Versetzung oder einem wiederholten Strategiewechsel kann für Beschäftigte laut der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) langfristig Folgen für das Wohlbefinden und so auch für die Gesundheit haben.

Eine Studie des Hemholtz-Zentrums in München befragte rund 1.800 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Abstand von 20 Jahren. Das Ergebnis: 43 % der Beschäftigten, die Ihren Arbeitsplatz als unsicher empfanden, zeigten auch nach 20 Jahren noch ein vermindertes Wohlbefinden. Den Zusammenhang erklären sich die Forscher so: Arbeitsunsicherheit führe bei den Beschäftigten zu Stressreaktionen, die sich psychisch – zum Beispiel im Gefühl der dauerhaften Anspannung – und physisch – zum Beispiel durch Bluthochdruck – zeigen. Andauernde Unsicherheit führe zu einer Häufung dieser Reaktionen, die zu anhaltende gesundheitlichen Problemen führen können.
Neben der Angst, die Anstellung zu verlieren, werde Arbeitsplatzunsicherheit auch bereits durch die Sorge ausgelöst, in eine neue Abteilung versetzt zu werden, sich an neue Kollegen, neue Abläufe und neue Chefs gewöhnen zu müssen. „Veränderungen sind heute ein unvermeidbarer Bestandteil des Arbeitslebens und sie haben durchaus auch positive Aspekte" erläutert Amira Barrech, Expertin für Arbeit und Gesundheit vom Universitätsklinikum Ulm. Dennoch könnten einige Stressfaktoren reduziert werden, die den eigenen Arbeitsplatz als bedroht erscheinen lassen. Neben der dafür nötigen politischen Weichenstellung sollten Arbeitgeber und Führungskräfte auf eine umfassende und zeitnahe Kommunikation achten und für ihre Mitarbeitenden psychosomatische Betreuungs- und Stressbewältigungsangebote schaffen.