Drei Fragen an ...

... Andrea Weimar, Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe

Im Gastgewerbe gibt es besonders viele Klein- und Kleinstbetriebe. Wie können auch sie etwas für die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten tun?

Besonders wichtig ist, den Beschäftigten Handlungsspielräume zu lassen und ihnen Verantwortung zu übertragen. Wenn der Beschäftigte beispielsweise wegen jeder Reklamation eines Gastes mit dem Vorgesetzten Rücksprache halten muss, hält das den Betrieb auf, führt zu Unzufriedenheit der Gäste und frustriert dann wiederum den Beschäftigten. Besser ist, wenn der Mitarbeiter in so einem Fall direkt reagieren darf, beispielsweise einen Espresso aufs Haus ausgeben. Außerdem ist entscheidend, dass aufkeimende Konflikte direkt angegangen werden. In der Gastronomie müssen viele Absprachen auch unter Stress getroffen werden, zum Beispiel zwischen Küche und Service. Da kann es schon mal zu Schwierigkeiten kommen. Hier ist eine gute Kommunikation gefragt! Bezogen auf das Thema „Führung“ können schon einfache Maßnahmen helfen, dass die Beschäftigten sich wertgeschätzt fühlen und sich die Atmosphäre im Betrieb verbessert. Hier sind kleine Betriebe übrigens sogar im Vorteil, denn der Inhaber merkt sehr schnell, wenn es seinen Angestellten schlecht geht, und kann direkt reagieren.

Welche Vorteile haben Gastbetriebe, die in die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten investieren?

Um es positiv zu formulieren: Gesunde und gut gelaunte Beschäftigte sorgen für eine angenehme Atmosphäre im Betrieb, bieten guten Service und stehen hinter den Produkten. Das schafft zufriedene Gäste und der Betrieb läuft besser – auch finanziell. Für das Gastgewerbe sind gesunde und psychisch stabile Beschäftigte einfach überlebensnotwendig. Der Gast spürt sofort, wenn die Mitarbeiter gehetzt, überarbeitet oder unglücklich sind. In so einer Atmosphäre fühlt er sich unwohl und kommt kein zweites Mal. Gastronomische Betriebe müssen deshalb sehr schnell lernen, mit dem in der Natur der Branche liegenden Stress zu Stoßzeiten umzugehen, oder sie existieren nicht lange.

Wo finden interessierte Unternehmer Informations- und Unterstützungsangebote, wenn sie selbst aktiv werden wollen?

Der kürzeste Weg zu Informationen sind die vielfältigen Angebote der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) und von Projekten wie psyGA. Wir bieten im Internet beispielsweise einen „Picknick-Korb“ (www.gastronomie-stress.de) mit interaktiven Angeboten und Medien zur Vermeidung von Stress im Gastgewerbe. Außerdem unterstützen wir Kleinbetriebe vor Ort in regionalen Arbeitsschutzprogrammen. In diesen Netzwerken aus Betrieben, Krankenkassen und der BGN finden Seminare, Vorträge und Beratungen zu vielen Themen statt, auch zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz. Interessierte Unternehmen können über unsere Internetseite bequem einen Ansprechpartner in ihrer Region finden.