Drei Fragen an ...

... Bettina Jäkel-Schmidt, Beraterin im Netzwerk Demografie-Experten (DEx e.V.)

Der Verein DEx wurde 2006 im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit gegründet. Wie gehen Unternehmen Ihrer Erfahrung nach mit dem demografischen Wandel um?

Das Thema wird noch immer gern verdrängt. Inzwischen ist der Fachkräftemangel jedoch sichtbarer und es treten erste Probleme oder Engpässe in einigen Branchen auf. Für Unternehmen geht es also auch darum, attraktiv für Arbeitnehmer zu sein. Dennoch ist der demografische Wandel häufig noch immer nicht greifbar und kein Problem, um das sich Unternehmen aktiv kümmern, wenn andere Aufgaben viel offensichtlicher sind. Die Produktion von Gütern, das Erbringen von Dienstleistungen und die Vermarktung der eigenen Leistungen – all das hat in der Regel Vorrang.

Wie ist die Situation für kleine und mittlere Unternehmen? Was sind hier die besonderen Herausforderungen und welche Unterstützung bietet DEx?

Gerade in KMU, die oft familien- oder inhabergeführt sind, kann die Nachfolge ein unangenehmes Thema sein. Der eigene Umgang mit Veränderungen spielt deshalb eine große Rolle. Mit dem Beratungsangebot der Demografielotsen wollen wir vor allem kleine und mittelständische Unternehmen erreichen. Dazu sensibilisieren und analysieren wir zunächst die Betriebe, um dann passgenau beraten zu können. Neben Altersstrukturanalysen untersuchen wir zum Beispiel, wie das Personalmanagement aufgestellt und qualifiziert ist. Gerade für KMU, die in der Regel über weniger Ressourcen verfügen, gilt es, niedrigschwellige und praktikable Angebote zu entwickeln.

Welche Rolle spielt die psychische Gesundheit für Führungskräfte und Beschäftigte vor Hintergrund des stetigen Wandels, der sich sowohl im Unternehmen als auch außerhalb zeigt?

Sicher eine ganz große. Aus meiner Erfahrung hat Veränderungs-Management viel mit Bewältigung, aber auch mit Belastung zu tun. Personalführung und Kommunikation spielen eine wesentliche Rolle, wenn es darum geht, die neuen Anforderungen zu meistern, die zum Beispiel die Digitalisierung an Beschäftigte und Betriebe stellt. Unternehmen sollten in Zeiten der Veränderung flexibel bleiben. Wichtig ist auch, dass Teammitglieder sich gegenseitig unterstützen und bereit sind, voneinander zu lernen. Nicht zuletzt sollten auch Betriebe neue Lernformen nutzen und die Gestaltung der Arbeitsbedingungen entsprechend anpassen. Alles, was an gesellschaftlich relevanten Entwicklungen stattfindet, sollte sich auch im Betrieb widerspiegeln.