Drei Fragen an ...

... Dr. Annette Icks, Offensive Mittelstand und Institut für Mittelstandsforschung Bonn

Viele sagen, nur große Konzerne hätten die Ressourcen, um sich für die Gesundheit ihrer Beschäftigten einzusetzen. Wie sehen Sie das?

Ganz anders! Weil krankheitsbedingte Ausfälle umso schwerer zu verkraften sind, je kleiner das Unternehmen ist, hat das Thema Gesundheit gerade in kleinen und kleinsten Unternehmen eine hohe Relevanz. Allerdings werden in KMU Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten  im laufenden Tagesgeschäft oft hinten angestellt und nicht so systematisch und professionell umgesetzt, wie das in größeren Unternehmen der Fall ist.

Die Offensive Mittelstand richtet sich mit ihren Angeboten gezielt  an kleine und mittlere Unternehmen. Wie können diese bei der Personalplanung auch den Aspekt Gesundheit berücksichtigen?

Es klingt vielleicht banal, aber der beste Einstieg für ein betriebliches Gesundheitsmanagement ist, dass die Inhaber zunächst mal an die eigene Gesundheit denken. Hiermit steht und fällt schließlich die Leistungsfähigkeit des gesamten Unternehmens. Hat man erst einmal ein Programm für die eigene Gesundheit mit Elementen wie Ernährung, Bewegung und einem Zeitmanagement, das auch Erholungsphasen und Zeit für private und persönliche Angelegenheiten schafft, ist das die Basis, um ähnliche Angebote auch für die eigenen Beschäftigten auf die Beine zu stellen. Andersherum funktioniert es natürlich auch, aber alle Maßnahmen sind erfolgreicher, bei denen Chefin und Chef mit gutem Beispiel vorangehen.

Wie unterstützt die Offensive Mittelstand kleine und mittlere Unternehmen bei der Förderung der psychischen Gesundheit?

Das zentrale Instrument der Offensive Mittelstand – der INQA-Unternehmenscheck „Guter Mittelstand“ – hilft den Unternehmen, ihre Betriebs- und Ablauforganisation systematisch zu verbessern. So können betriebliche Stressfaktoren ausfindig gemacht, beseitigt oder zumindest verringert werden. Der INQA-Unternehmenscheck zeigt den Betriebsverantwortlichen zugleich konkret auf, wie sie die Interessen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den alltäglichen Entscheidungsprozessen berücksichtigen können und wie größere Freiräume für eine eigenverantwortlichere Arbeitsgestaltung geschaffen werden können. Auch das trägt wesentlich dazu bei, Stressfaktoren zu minimieren, aber auch Selbstbewusstsein und Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten zur besseren Bewältigung betrieblicher oder persönlicher Belastungssituationen zu steigern.
Wichtig ist der Offensive Mittelstand aber auch, die Betriebe mit dem Check nicht allein zu lassen, sondern bei Bedarf kompetente Unterstützung durch unsere Partner in den regionalen Netzwerken zu vermitteln.

 

Dr. Annette Icks ist im Institut für Mittelstandsforschung Bonn als Projektleiterin beschäftigt. Neben allgemeinen mittelstandsspezifischen Themen sind ihre Forschungsschwerpunkte Qualifizierung und Ausbildung in kleinen und mittleren Betrieben, Unternehmenskooperationen und regionale Netzwerkbeziehungen sowie kommunale Wirtschaftsförderung und Abbau bürokratischer Belastungen im Mittelstand. Als stellvertretende Vorsitzende des Leitungskreises der Offensive Mittelstand setzt sie sich konkret über den INQA-Unternehmenscheck und den INQA-Check „Personalführung“ für die Unterstützung von KMU ein.