Drei Fragen an ...

... Dr. David Beck, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin

Warum hat der Gesetzgeber im vergangenen Jahr die psychischen Belastungen ausdrücklich als Teil von Gefährdungsbeurteilungen benannt?

Psychische Belastung bei der Arbeit umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher psychisch bedeutsamer Einflüsse, etwa die Arbeitsintensität, die soziale Unterstützung am Arbeitsplatz oder die Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit. Eine Arbeit ohne psychische Belastung ist genauso wenig denkbar und wünschenswert wie eine Arbeit ohne jede körperliche Belastung. Psychische Belastung ist nicht generell gefährlich, macht also nicht automatisch krank. Doch ähnlich, wie bestimmte Arten und Ausprägungen körperlicher Belastung gesundheitsgefährdend sein können, kann auch die psychische Belastung der Arbeit gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen haben. Daher ist es erforderlich, sie in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Das hat der Gesetzgeber durch die im Jahr 2013 erfolgten Ergänzungen im Arbeitsschutzgesetz klargestellt.

Welche Projekte führen Sie bei der BAuA zum Thema Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen durch und wie unterstützen Sie Unternehmen konkret?

Im Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt” arbeitet die BAuA gegenwärtig den Stand der Forschung zur psychischen Belastung der Arbeit und ihren Folgen für die Gesundheit und Gestaltungsansätzen auf. Zudem untersuchen wir in Forschungsprojekten, wie Betriebe in Deutschland und in ausgewählten EU-Nachbarländern die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in der Praxis konkret angehen: Welche psychischen Belastungsfaktoren nehmen sie in den Fokus? Wie und mit welchen Methoden beziehen sie die psychische Belastung in die Gefährdungsbeurteilung ein? Welche Maßnahmen treffen sie? Dazu gehen wir unter anderem vor Ort in die Betriebe und befragen dort die Akteure zu ihren Vorgehensweisen und Erfahrungen. Auf dieser Basis entwickeln wir Empfehlungen für die betriebliche Praxis, die wir in Fachbüchern und Fachvorträgen vermitteln, und die wir in die fachpolitische Debatte aktiv einbringen, zum Beispiel im aktuellen Programm „Psyche“ der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA).

Wie kann das Projekt psyGA Ihrer Meinung nach Entscheidern in Unternehmen helfen, Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastungen durchzuführen?

Wichtig ist sicherlich, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, Führungskräfte und Beschäftigte dafür zu sensibilisieren, dass psychische Belastungen der Arbeit für die Gesundheit der Arbeitenden von hoher Bedeutung sind. Genau an dieser Stelle setzt ja das Projekt psyGA an. Wichtig ist zudem zu vermitteln, dass man auf die psychische Belastung durch Arbeitsgestaltung Einfluss nehmen kann. Die Gefährdungsbeurteilung ist dafür der Dreh- und Angelpunkt: Es geht darum, auf Basis einer Beurteilung der Arbeitsbedingungen Maßnahmen zu treffen, die zu einer Reduzierung von Gesundheitsgefahren der Arbeit und zu ihrer menschengerechten Gestaltung beitragen. Auch dafür sensibilisiert psyGA mit Informationsangeboten, Schulungsmaterialien und Darstellungen von Beispielen „Guter Praxis“.