Drei Fragen an ...

... Dr. med. Antonius Reifferscheid, Leiter Werksärztlicher Dienst, Henkel AG & Co. KGaA

Für Henkel arbeiten weltweit knapp 50.000 Beschäftigte an 460 Standorten. Kann es bei einem so großen Unternehmen überhaupt einheitliche Standards in Sachen Betrieblicher Gesundheitsförderung geben?

Die Rahmenbedingungen für Betriebe und die Bedürfnisse der Beschäftigten sind weltweit natürlich sehr unterschiedlich. Mit den deutschen Standards in Sachen Gesundheitsförderung würden wir Betriebe in anderen Ländern überfordern. Wir haben uns deshalb dafür entschieden, zunächst die nötigen Grundlagen zu schaffen. Bei uns soll jeder Standort zum Beispiel eine jährliche „Health Needs Analysis” durchführen, in der relevante Einflussgrößen auf die Gesundheit in einer Art Checkliste erfasst werden. Daraus können dann Maßnahmen abgeleitet werden. Erst wenn diese Grundlagen gelegt sind, macht es Sinn, weitere Themen ins Blickfeld nehmen.

Ist die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz Ihrer Einschätzung nach auch international ein Thema?

Mein Eindruck ist: So stark wie im deutschsprachigen Raum wird das Thema international im Moment noch nicht diskutiert. In den USA ist der Begriff „Mental Health” sogar eher negativ besetzt, was dazu führt, dass er überhaupt nicht artikuliert wird. Das mag vielleicht mit der amerikanischen Eigenschaft zusammenhängen, alles positiv darstellen zu wollen. Ein anderes Beispiel ist Asien: Dort gibt es teilweise die Befürchtung, dass Verlautbarungen zu psychischen Belastungen den Beschäftigten negativ ausgelegt werden und die Karriere beeinträchtigen könnten. In Deutschland ist die Offenheit, mit psychischen Problemen umzugehen, in den letzten Jahren viel größer geworden.

Wie gut sind die deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich in Betrieblicher Gesundheitsförderung aufgestellt?

Die meisten großen Konzerne in Deutschland sind im Bereich Gesundheit sicherlich gut aufgestellt. Auch viele kleine und mittlere Unternehmen investieren zunehmend in Betriebliches Gesundheitsmanagement und sind hier verstärkt aktiv. Darüber hinaus gibt es international immer wieder Beispiele, bei denen wir sagen: „Toll gemacht – das könnte auch etwas für uns in Deutschland sein.” An einem unserer Standorte in Mexiko führt eine Sportlehrerin zum Beispiel regelmäßig Bewegungsprogramme mit den Beschäftigten durch, was die Fehlzeitenquote nachweislich reduziert hat. Wir finden das Modell sehr interessant und überlegen, es auch an einem deutschen Standort zu nutzen.