Drei Fragen an ...

... Dr. Olaf Tscharnezki, Betriebsarzt bei Unilever Holding GmbH

Psychische Erkrankungen sind oft langwierig – eine Rückkehr in den Betrieb wird damit schwieriger. Welche Unterstützung bieten Sie Betroffenen?

Viele der Langzeiterkrankungen sind tatsächlich auf psychische Störungen zurückzuführen. Die Beschäftigten kommen mit jeder Menge guter Vorsätze zurück. Auf der anderen Seite haben sie während ihrer Erkrankung oft große Ängste aufgebaut. Schließlich steigt das Risiko der Erwerbslosigkeit mit der Dauer der Abwesenheit. Für die Wiedereingliederung gibt es ein ganzes System aus externen Beratungsstellen, Betriebsärzten und Therapeuten, das die Betroffenen unterstützt. Als Betriebsarzt bin ich in diesem Prozess ein Verbündeter und gleichzeitig Vermittler der Arbeitgeberinteressen. Verschwiegenheit und Vertrauen sind dabei ganz wichtig. Idealerweise entsteht eine intelligente Interessenvertretung beider Seiten.

Welche Veränderungen beobachten Sie im Umgang mit psychisch erkrankten Mitarbeitenden?

Personen mit einer psychischen Störung werden heute weniger stigmatisiert als früher. Hochrangige Manager stellen sich plötzlich hin und sagen: Auch ich kenne solche Belastungssituationen. Die Frage ist doch: Warum erzähle ich eigentlich vom gebrochenen Bein meiner Tochter, aber nicht von der psychischen Störung meines Sohnes? Wir alle kennen jemanden, der von einer psychischen Störung betroffen ist. Solche Erkrankungen gehören zum Leben dazu. Wir sollten Betroffene nicht in eine Ecke stellen, sondern ihnen unsere Unterstützung anbieten. Darüber hinaus sind psychische Erkrankungen in der Regel gut therapierbar.

Unilever hat viele gesundheitsfördernde Angebote für Mitarbeitende auf den Weg gebracht. Was motiviert Beschäftigte, diese auch anzunehmen?

Was immer motiviert, sind Inhalte, Verantwortung, Wertschätzung und Erfolgserlebnisse. Wir bieten gesundheitlich belasteten Beschäftigten im Außendienst zum Beispiel individuelle Gesundheitscoachings an. Den Beratungsbedarf haben wir vorher über eine große Befragung ermittelt. Bei den Coachings geht es um Basiswissen, das die Leute fit in Sachen Gesundheit macht. Wie kaufe ich die richtigen Lebensmittel ein? Wo finde ich die passenden Turnschuhe? Welche Unterstützung bietet mir meine Krankenkasse? Es ist wichtig, die Beschäftigten in ihrer Selbstverantwortung zu stärken. Dann haben sie das gute Gefühl, die Erfolge selber gestaltet zu haben.