Drei Fragen an ...

... Dr. Peter Krauss-Hoffmann, Unterabteilung Arbeitsschutz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

Was sind Ihrer Meinung nach die größte Chance und die größte Herausforderung der Arbeitswelt von morgen im Bezug auf Gesundheit?

Als besondere Herausforderung sehe ich momentan zwei Strömungen, die unsere Arbeitswelt prägen: Zum einen die demografische Entwicklung, die mit einem regionalen und branchenspezifischen Fachkräftemangel einhergehen kann, vor allem aber alternde Belegschaften mit sich bringt. Darauf müssen sich Unternehmen und Organisationen einstellen. Zum anderen den Wandel der Arbeit, wozu auch die Digitalisierung und Entwicklung hin zu einer Wissensgesellschaft zählen. Diese Veränderungen bringen andere Anforderungen mit sich und können auch neue bzw. veränderte Belastungen bedeuten, auch für die psychische Gesundheit. Unsere große Chance ist, dass wir diese Herausforderungen erkannt haben und sie aktiv gestalten können. Dazu müssen wir bereit sein, gemeinsam mit den Sozialpartnern Maßnahmen zu entwickeln und Unternehmen beim Umgang mit den Veränderungen zu unterstützen. Wir haben als Basis dazu einen guten Arbeits- und Gesundheitsschutz. Diesen müssen wir immer an aktuelle Herausforderungen anpassen.

Welche Maßnahmen bringt das Bundesarbeitsministerium aktuell auf den Weg, um das Thema Gesundheit in der Arbeitswelt zu stärken?

Wir unternehmen verschiedene Anstrengungen, um die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten in Deutschland zu erhalten und die Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern. Die Basis dafür ist zunächst einmal der gesetzliche Arbeits- und Gesundheitsschutz. Ergänzend leistet die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) wichtige Beiträge, mit konkreten Hilfen für Betriebe, Informationen und Qualifikationen über ihre mit entsprechenden Arbeitsprogramme (z.B. Psyche). Flankierend dazu trägt die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) dazu bei, den Wissenstransfer voranzutreiben und uns mit aktuellen Fragen der Arbeitsqualität auseinanderzusetzen.
Gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern und Netzwerken vermittelt die Initiative praktische Lösungsansätze und unterstützt den Wissenstransfer zum Thema Gesundheit bei der Arbeit. Sehr konkret wird dies auch beim Thema psychische Gesundheit im Projekt psyGA. In diesem von der Initiative Neue Qualität der Arbeit geförderten Projekt leisten wir einen hochakzeptierten Beitrag zur Förderung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt mit fundierten, qualitätsgesicherten und praxisnahen Materialien.

Wie schützen Sie sich selbst vor zu viel Stress?

Wichtig ist für mich der Ausgleich zum Büroalltag. Dafür mache zwei- bis dreimal wöchentlich Sport, etwa Radfahren oder Walken. Außerdem versuche ich, mich bewusst gesund zu ernähren, sofern das der Arbeitsalltag eben zulässt. Außerdem setze ich mir gezielt Erholungsphasen, also Zeiten beispielsweise am Abend, in denen ich gewissermaßen „offline“ bin. Das heißt nicht, dass ich nicht in einem wirklichen Notfall erreichbar wäre. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, dass Beschäftigte auch Grenzen setzen. Die Unternehmenskultur sowie die Führungskräfte müssen das fördern. Das sind wichtige Bausteine zur Stärkung der Gesundheitsressourcen, um lange und gesund arbeiten zu können.