Drei Fragen an ...

... Norbert Breutmann, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)

Warum ist das Thema psychische Gesundheit auch für Unternehmen und Organisationen wichtig?

 

Da gibt es ganz verschiedene Gründe. Zum einen können nur gesunde Beschäftigte ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Erkrankte Beschäftigte oder solche, die Gefahr laufen zu erkranken, haben große Probleme, ihre Leistungsfähigkeit auf dem erforderlichen Niveau zu halten. Das kann dann schnell zu Störungen im Betriebsablauf führen, beispielsweise durch Fehler bei der Ausführung von Aufgaben und aufkeimende Konflikte im Team. Zum anderen wird es immer schwieriger, auf dem Arbeitsmarkt geeignete Fachkräfte zu finden. Viele Unternehmen nutzen deshalb das Engagement für die psychische Gesundheit, um mit ihrer guten Unternehmenskultur zu werben. Die Unternehmenskultur ist der Schlüssel, um die psychische Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und sie nach einer Erkrankung wieder erfolgreich in den Arbeitsalltag einzugliedern.

Was denken Sie, in welche Richtung geht die Entwicklung in Sachen psychische Gesundheit?

 

Die Beachtung wird steigen. Wir als BDA haben in einer gemeinsamen Erklärung mit dem DGB und dem BMAS die Bedeutung des Themas nachhaltig unterstrichen. Vor allem die Zusammenarbeit der Sozialversicherungen muss sich bei der Prävention und der Versorgung betroffener Mitarbeiter verbessern. Wir als Arbeitgeber können dieses Thema nicht alleine stemmen, wichtig ist eine gesamtgesellschaftliche Diskussion und politisches Handeln. Das gilt gerade auch für den regionalen Bereich. Hier sind eine stärkere Vernetzung zwischen den Akteuren und ein Ausbau der Infrastruktur zur Hilfe in Fragen der Lebensbewältigung nötig – angefangen von Schulden, über Sucht, Partnerschaft und Erziehung bis hin zu Lebenskrisen, die zu Angststörungen und Depressionen heranwachsen können. Aber auch innerhalb der Unternehmen muss der Umgang mit psychischen Erkrankungen verbessert werden. Dazu bietet psyGA mit den viel beachteten Schulungs- und Informationsmaterialien bereits wichtige Unterstützung.

Was können Arbeitgeber tun, um die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten zu fördern?

Zunächst gibt es den Auftrag aus dem Arbeitsschutzgesetz, die Arbeitsaufgaben so zu gestalten, dass negative Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten vermieden werden. Im Einzelnen geht es hier oft um Fragen der Arbeitsorganisation wie die Verringerung von Unterbrechungen und Störungen sowie eine ausgeglichene Belastungssituation. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Professionalisierung von Führung sowie die Sensibilisierung von Führungskräften für das Thema, wozu psyGA ebenfalls einen wichtigen Beitrag leistet. Arbeitgeber übernehmen auch Verantwortung in den Selbstverwaltungsgremien der Sozialversicherungen, damit diese Beschäftigte in Krisensituationen und auch Betriebe bei ihren Präventionsbemühungen praxisgerecht unterstützen. Daneben sollten Arbeitgeber auch die regionalen Netzwerke nachfragen, denn es gibt viele niedrigschwellige Angebote freier Träger, von Verbänden sowie Vereinigungen und Kompetenzträger wie Fachkliniken rund um die Themen psychische Gesundheit und Personalführung.