Drei Fragen an ...

... Dr. Gottfried Richenhagen, Professor für Allgemeine BWL mit Fokus Personalmanagement an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management

Welche Idee steckt hinter dem Workability-Index (WAI), wie funktioniert er und wie profitieren Unternehmen davon?

In Unternehmen ist es meist üblich, die Gesundheit der Beschäftigten anhand der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) zu beurteilen. Neben diesen „nackten Zahlen“ ist es aber genauso wichtig, die eigentliche Arbeitsfähigkeit zu messen und damit zu überprüfen, wie gut die Beschäftigten ihre Aufgaben aus gesundheitlicher Sicht insgesamt erfüllen können. Das ist gerade vor dem Hintergrund älter werdender Belegschaften entscheidend, denn mit dem Alter sinkt die durchschnittliche Arbeitsfähigkeit. Der WAI ist ein Instrument, mit dem Unternehmen wissenschaftlich fundiert diese Daten erheben können. In einem Fragebogen werden Faktoren wie bestehende Krankheiten, Art und Gestaltung der Tätigkeiten und/oder die Selbsteinschätzung der Beschäftigten erfasst. Dadurch können Unternehmen und Organisationen auch ihre Maßnahmen im Bereich Gesundheitsförderung überprüfen, indem sie etwa eineinhalb bis zwei Jahre später den WAI erneut bestimmen und schauen, ob er gestiegen oder gesunken ist.

Was ist Ihrer Meinung nach die „neue“ Qualität der Arbeit, die wir erreichen sollten?

Der WAI basiert auf dem wissenschaftlichen Konzept des „Hauses der Arbeitsfähigkeit“. Das besagt, dass Arbeitsfähigkeit sich aus den vier Säulen Gesundheit, Kompetenz, Werte und Arbeit – bestehend aus Faktoren wie Führung, Arbeitsumgebung etc. – zusammensetzt. Wenn wir diese vier Bereiche positiv gestalten, verbessert sich auch die Arbeitsfähigkeit insgesamt. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit hat ihre vier Handlungsfelder eng am Haus der Arbeitsfähigkeit angelehnt und ist somit genau in diesen Bereichen aktiv. Wichtig ist, dass gute Arbeitsfähigkeit nicht von einem einzelnen Faktor abhängt, sondern sich aus etwa zehn bis 15 Einzelfaktoren zusammensetzt. Dennoch gibt es Faktoren, die eine höhere Durchschlagskraft haben als andere, auf die wir also ganz besonders achten müssen. Das sind etwa Themen wie gute Führung und die Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz.

Sie waren wissenschaftlicher Leiter des Projekts Demografieaktive Qualifizierung in Kommunen und Kreisen. Worum ging es bei diesem Projekt und was war das Ergebnis?

In diesem Projekt haben wir gemeinsam mit einigen Kommunen und einem Landkreis ein Konzept für eine strategische Personalentwicklung im Bereich Weiterbildung entwickelt. Dahinter steht der Gedanke, dass eben auch Kompetenzen zur Arbeitsfähigkeit beitragen – Stichwort lebenslanges Lernen. Entstanden ist ein Seminarkonzept für Weiterbildungsmaßnahmen und ein Handlungsleitfaden, der unter
www.daq-kommunal.de allen Interessierten frei zur Verfügung steht.