Drei Fragen an ...

... Prof. Jens Kleinert, Sporthochschule Köln

Seit wann spielt neben der körperlichen auch die psychische Gesundheit im Leistungssport eine Rolle?

Das Thema spielt bereits seit den 1950er in der Wissenschaft eine wichtige Rolle, vor allem im Bezug auf die Steigerung der Leistungsfähigkeit. Heutzutage geht es aber in der Sportpsychologie nicht mehr nur um Leistungssteigerung, sondern auch um die Themen Persönlichkeitsentwicklung und psychische Gesundheit. Sie bilden die gleichwertigen Grundpfeiler der Sportpsychologie. Immer mehr Profisportler arbeiten heute mit Psychologen zusammen. Richtig aktuell ist das Thema in Deutschland vor allem durch die psychischen Erkrankungen von prominenten Sportlerinnen und Sportlern und der öffentlichen Diskussion geworden.

 

Was können Trainer und Betreuer tun, um die psychische Gesundheit zu fördern?

Zunächst ist es gut, wenn Trainer offen für das Thema sind und über Hintergrundwissen verfügen. Genauso wichtig ist ein entsprechendes Lernklima, in dem sich Sportlerinnen und Sportler als Persönlichkeit entwickeln können und Belastung kein Tabuthema bleibt. Nur eine funktionsfähige Persönlichkeit kann auch hohe Leistung bringen. Daneben kann auch ein Netzwerk aus Institutionen und fachlicher Unterstützung (z.B. die Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie) für Trainer und Betreuer eine Hilfe sein, um in einer Belastungssituation ausreichend fachliche Unterstützung zu bekommen.

 

Und was können Athleten selbst bewegen, um die eigene Gesundheit zu schützen?

Zunächst ist es wichtig, sich zu beobachten und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Wer sich nicht gut fühlt, sollte das nicht ignorieren. Bezugspersonen, mit denen man offen sprechen kann, helfen, mit solchen Situationen umzugehen. Das können beispielsweise Freunde, Partner oder auch Trainerinnen und Trainer sein. Dazu gehört natürlich eine Menge Mut. Als weiterer Baustein sollte das Erlernen von Techniken zum Umgang mit Stress und Belastungen Teil des Trainings im Hochleistungssport sein.