Drei Fragen an ...

... Prof. Sascha Stowasser, Direktor des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft Düsseldorf, Professur im Karlsruher Intitut für Technologie im Bereich Arbeitwissenschaft

Welche aktuellen Forschungsprojekte des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) thematisieren die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt?

Grundsätzlich haben alle Projekte des ifaa eine Veränderung der Unternehmenskultur über die Aktivierung interner Kräfte zum Ziel.
Eines unserer aktuellen Projekte thematisiert die Gesundheitskultur in der Metall-, Elektro- und Chemieindustrie. Es ist ist langfristig angelegt und soll den Umgang mit psychischen Gesundheitsanliegen nachhaltig verändern. Diese sollen ernstgenommen und selbstverständlicher Bestandteil der Gesundheitskommunikation werden. Dafür erfolgt eine Sensibilisierung für das Thema auf drei Ebenen: bei Führungskräften, internen und externen Experten und den einzelnen Beschäftigten. Nur wenn alle Beteiligten auf psychische Belastung achten, kann langfristig eine nachhaltige Gesundheitskultur gelebt werden. Dazu gehört auch der Mut, gegebenenfalls Experten aufzusuchen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Es stellt keinerlei Schwäche dar, wenn z.B. Industriebeschäftigte Handhabungshilfen oder Stresssprechstunden nutzen.  
Bei einem weiteren Projekt arbeiten wir eng mit dem Verband für Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI) und der IG Metall zusammen.
Es dient der Schulung von Sicherheitsingenieuren im Bereich der psychischen Gesundheit und ermöglicht Gespräche mit Ärzten und Führungskräften auf Augenhöhe. Ein solches Curriculum ist ein Meilenstein.

Arbeitgeber sind zu vorsorgenden Gefährdungsbeurteilungen hinsichtlich der psychischen Belastung von Beschäftigten verpflichtet. Mit welchen Mitteln unterstützt das ifaa die Unternehmen bei Gefährdungsbeurteilungen psychischer Belastung und den daraus folgenden Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit?

Ziel des ifaa ist es, Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Eine Unternehmensberatung durch unsere Experten erfolgt nicht, da die Unternehmenskultur von innen heraus entwickelt und gestaltet werden muss. Das ifaa unterstützt Unternehmen mit einem Angebot an einfach anwendbaren, dokumentsicheren und regelkonformen Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung. Beispielsweise ermöglicht das Kurzverfahren Psychische Belastung (KPB) das schnelle Erkennen der Ist-Situation sowie der Belastungsursachen und bietet Umsetzungshilfen bei notwendigen Maßnahmen.

Wo und wie können sich Ihrer Meinung nach Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen für ein gesundheitsgerechtes Arbeitsumfeld einsetzen?

Es ist besonders wichtig, dass Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände zusammenarbeiten. Sie müssen ein gemeinsames Verständnis von gesundheitsgerechter Arbeit entwickeln, das die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt. Dazu sind nur einige wenige Regeln, Methoden und Instrumente notwendig, die in allen Unternehmen Anwendung finden und Rechtssicherheit gewähren.
Die Gesundheitskultur der Unternehmen muss sich dahingehend verändern, dass Anliegen der psychischen Gesundheit thematisiert und kommuniziert werden. Dafür müssen auch bereits existierende Hilfeangebote wahrgenommen und die Eigenverantwortung über die Arbeit hinaus gedacht werden: Erholung und Ausgleich während der Freizeit sind unverzichtbar. Nur wenn alle Zusammenarbeiten kann sich langfristige eine neue Unternehmenskultur entwickeln, deren fester Bestandteil die psychische Gesundheit ist.